Frankfurt Social Media Newsroom: DEMOS-Monitor Interview mit Nikolaus Münster

Nikolaus Münster ist Leiter des Presse- und Informationsamts der Stadt Frankfurt/Main. Vor kurzem eröffnete die Stadt einen „Social Media Newsroom“, der die Social Media-Aktivitäten der Stadt auf einer Seite nutzerfreundlich bündelt.

Nikolaus Münster nahm 2009 an einem europäischen Austauschprogramm teil. In seiner Zeit beim Birmingham City Council lernte er  den Birmingham News Room kennen, das Web2.0-Angebot der Stadt. Dieser diente ihm als Good Practice-Beispiel für die Einrichtung einer ähnlichen Plattform in Frankfurt.

John Heaven (JH): Was ist ein „Social Media Newsroom“?

Nikolaus Münster (NM): Unser Social Media Newsroom fasst alle Kommunikationsplattformen auf einer Seite zusammen. Der User ruft diese Seite auf und kann alle Kanäle auf einen Blick sehen, egal ob Twitter, Facebook, Blogs oder YouTube.

Diese Kanäle habe wir schon länger betrieben. Seit 2009 kommunizieren wir über Facebook, Twitter, YouTube und andere Dienste. Damals wollten wir Erfahrung sammeln bevor wir es ganz offiziell machen. Seitdem ist Social Media zu einem zentralen Teil unserer Kommunikationsstrategie geworden.

JH: Was ist das Hauptziel des Newsrooms?

NM: Der Newsroom stellt eine Verbesserung für den User dar. Das entscheidende ist, dass alle Kanäle auf einer Seite zusammengeführt werden. Damit ist die Nutzung   sowohl für die Nutzer, die Dienste wie Twitter und Facebook nicht nutzen als auch für die, die sie tagtäglich nutzen komfortabler.

JH: Nach welchen Kriterien hatFrankfurt die Kanäle gewählt, über die sie kommuniziert?

NM: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit muss sich immer nach den Kommunikationsgewohnheiten der Zielgruppe richten. Zeitungen und Newsletter beispielsweise spielen immer noch eine wichtige Rolle. Mit diesen Kanälen und den Social Media-Diensten erreichen wir vor allem auch zahlreiche junge Menschen. Es kann sein, dass in Zukunft neue Kanäle dazu kommen. Beispielsweise haben wir auch Google+ im Blick.

JH: Woher stammt die Idee des SMN?

NM: Ich habe die Idee aus Birmingham mitgebracht. Das Konzept des Newsrooms war hier noch nicht so bekannt. Am Anfang war es schwer, die Idee plausibel und konkret zu beschreiben. Nach einem Gedankenaustausch mit einem SAP-Mitarbeiter konnte sie aber präziser definiert werden. Er hat die Technik erläutert, zum Beispiel die kostenlose blog-Software WordPress. Ich halte es für wichtig, im eigenen Haus Leute zu haben, die begierig nach Innovation sind und auch Ideen umsetzen.

JH: Inwieweit unterscheidet sich der Frankfurt Social Media Newsroom vom Birmingham News Room?

NM: Der größte Unterschied ist, dass wir keinen Media Watch haben. Für uns ist es noch ein ungeklärtes Problem, alle Nachrichten darzustellen, die für die Stadt wichtig sind. Unser Newsroom zeigt bereits Meldungen von örtlichen Zeitungen, aber wir arbeiten daran, an prominenter Stelle eine Nachrichtenleiste mit ausführlicheren Nachrichten darzustellen.

JH: Wie behält man den Überblick über Social Media-Kanäle, wenn jeder Mitarbeiter der Verwaltung theoretisch ein Twitter-Konto oder Blog aufmachen kann? Wie hält man den Aufwand in Grenzen, der durch Social Media-Auftritte benötigt wird?

NM: Dieses Problem lösen wir durch unsere Guidelines: Nicht jeder Mitarbeiter darf sich als Vertreter der Stadt ausgeben. Es spricht aber nichts dagegen, wenn ein Amt für seine Klientel einen Twitter- oder Facebook-Kanal aufmacht. Das kann für das zu erreichende Publikum zielführend sein. Abgesehen davon kann natürlich jeder Mitarbeiter privat in seinem eigenen Namen Social Media nutzen – aber eben nicht im Namen der Stadt Frankfurt.

Was den Aufwand betrifft, geht es nicht nur darum, einen bestehenden Kanal zu bedienen sondern man muss innovativ unterwegs sein. Dieser Mehraufwand ist schwierig zu managen: Zunächst haben wir ohne zusätzliches Personal angefangen, aber wir werden mehr Mitarbeiter einstellen müssen. Es kommt darauf an, sich in den sozialen Medien nicht zu verlieren. Aber wenn man sich für so eine Strategie entscheidet, muss man sie  ernst nehmen und aktiv ausweiten.

JH: Unter welchen Bedingungen würden Sie anderen Städten empfehlen, einen Social Media Newsroom zu eröffnen?

NM: Städten, die schon mit den entsprechenden Diensten arbeiten, eine Basis geschaffen haben und Erfahrung mit social media gemacht haben, würde ich empfehlen, einen Newsroom zu eröffnen.

JH: Bieten Ihrer Meinung nach die neuen Medien Vorteile gegenüber klassischen Kommunikationsmitteln – Zeitungsanzeigen, Briefe, Flyer usw. – abgesehen von ihren Kostenvorteilen?

NM: Ja, natürlich. Social Media kann zwar sehr aufwändig sein. Man muss eine Rückmeldung geben, wenn Kritik auf die Pinnwand gepostet wird, da über Social Media ein Dialog geführt wird. Aber für genau diesen dialogorientierten Ansatz bekommen wir sehr viel Zustimmung, Social Media bietet einen sehr direkten Kanal zu unserem Zielpublikum.

JH: Wissen Sie von anderen Geschäftsbereichen der Stadt, die Social Media innovativ einsetzen?

NM: Vor allen Dingen Museen und Einrichtungen mit direktem Kontakt zur Bevölkerung. Beispiele sind das Städelmuseum, die Kunsthalle Schirn, das Museum für Angewandte Kunst und das Museum für Moderne Kunst (MMK).

JH: Was haben Sie aus Ihrer Zeit in Birmingham gelernt? Kommuniziert Birmingham City Council anders als Frankfurt am Main?

NM: Die Basis ist ganz anders. Birmingham investiert mehr in Kommunikation als Frankfurt. Im Sinne des „easy reading“ bemüht sich Birmingham sehr, Texte leicht verständlich zu machen. Sie erstellen sogar Broschüren mit Bildern und einfachen Sätzen für Gruppen, die nicht so gut lesen können sowie Broschüren für Menschen mit Behinderung, die ihnen erklären, welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Die Erstellung dieser Materialien ist sehr aufwändig, da sie mit den Zielgruppen getestet werden, bevor sie herausgegeben werden.

JH: Würden Sie einen solchen Aufenthalt in einer Partnerstadt weiter empfehlen?

NM: Ja unbedingt. Ich habe in dieser Zeit sehr viel von den Kolleginnen und Kollegen in Birmingham gelernt. Während meines Aufenthaltes habe ich jede Woche einen Artikel im städtischen Intranet veröffentlicht und über meine Erfahrungen berichtet. Diese Artikel stießen auf großes Interesse – bis zu 1.000 Menschen haben sie jeweils gelesen. An so einem Programm teil zu nehmen halte ich für sehr empfehlenswert.

JH: Herr Münster, vielen Dank für Ihre Zeit.

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